Ich gebe es zu: Ich war einer dieser Menschen, die Haushaltsbücher für hoffnungslos altmodisch hielten. Wer braucht schon so ein kleines Heft, wenn man doch alle Ausgaben auf dem Handy verfolgen kann?

Tja, wie falsch ich lag.

Hinweis: Hier ist das YouTube Video | und hier der Podcast zu diesem Thema

Vor etwa 14 Jahren stand ich vor einem Rätsel. Mein Gehalt war solide, ich lebte nicht besonders verschwenderisch, trotzdem war am Ende des Monats immer mehr Monat als Geld übrig. Ihr kennt das bestimmt. Da sagte mir ein Buch damals: "Führe mal vier Wochen ein Haushaltsbuch."

Einige Wochen später hatte sich mein Leben grundlegend geändert.

Was passiert wirklich, wenn du ein Haushaltsbuch führst

Das erste, was mir auffiel: Ich hatte keine Ahnung, wofür ich mein Geld ausgab. Wirklich keine. Diese täglichen 2,50 Euro für den Kaffee unterwegs? Die summierten sich auf 50 Euro im Monat. Die spontanen Einkäufe im Supermarkt, weil ich ohne Liste losging? Weitere 80 Euro, die einfach verschwanden.

Ein Haushaltsbuch macht das Unsichtbare sichtbar. Plötzlich siehst du schwarz auf weiß, wo dein Geld hingeht. Und das allein verändert schon dein Verhalten.

Aber es geht noch weiter. Nach ein paar Wochen merkst du, wie du automatisch überlegst, bevor du etwas kaufst. "Will ich das wirklich? Oder kaufe ich es nur, weil es gerade da ist?" Diese kleinen Pausen vor dem Kauf sind Gold wert.

Die 5-Minuten-Methode (funktioniert wirklich)

Vergiss komplizierte Apps oder Excel-Tabellen. Ich zeige euch, wie ihr sofort anfangen könnt:

Ihr braucht:

  • Ein kleines Notizbuch oder einen Block

  • Einen Stift

  • 5 Minuten Zeit jeden Abend

So geht's:

Schreibt jeden Abend alle Ausgaben des Tages auf. Wirklich alle. Den Kaffee, das Busticket, den Einkauf, die Miete. Macht drei Spalten: Datum, Ausgabe, Betrag.

Das war's. Mehr nicht.

Ich weiß, das klingt zu einfach. Aber genau das ist der Trick. Wenn es kompliziert ist, macht ihr es nicht. Wenn es einfach ist, macht ihr es automatisch.

Nach zwei Wochen macht ihr eine erste Auswertung. Addiert alles zusammen und schaut, wofür das meiste Geld draufgeht. Ihr werdet überrascht sein.

Was sich nach einem Monat ändert

Bei mir war es ziemlich drastisch. Ich sparte im ersten Monat 230 Euro, ohne mich eingeschränkt zu fühlen. Wie? Ich kaufte meinen Kaffee seltener unterwegs und machte ihn öfter zu Hause. Ich ging mit Einkaufsliste zum Supermarkt. Ich überlegte zweimal, bevor ich etwas online bestellte.

Das Beste daran: Es fühlte sich nicht nach Verzicht an. Es fühlte sich nach Kontrolle an.

Nach drei Monaten hatte ich zum ersten Mal seit Jahren richtig Geld am Ende des Monats übrig. Nach sechs Monaten konnte ich anfangen, ernsthaft zu sparen. Heute habe ich einen Notgroschen, den ich nie für möglich gehalten hätte.

Die häufigsten Ausreden (und warum sie Quatsch sind)

"Ich habe keine Zeit." - Es dauert 5 Minuten am Tag. Ihr verbringt mehr Zeit damit, durch Instagram zu scrollen.

"Das ist mir zu umständlich." - Ihr müsst nur drei Dinge aufschreiben: Was, wann, wie viel.

"Ich weiß sowieso, wofür ich Geld ausgebe." - Nein, wisst ihr nicht. Ich dachte das auch.

"Apps sind praktischer." - Stimmt, aber ihr nutzt sie nicht konsequent. Ein Notizbuch oder die einfache Notizapp im Handy reicht oft aus.

Warum es so gut funktioniert

Ein Haushaltsbuch wirkt wie ein Spiegel. Ihr seht eure Gewohnheiten ungefiltert. Und Menschen ändern automatisch ihr Verhalten, wenn sie es bewusst wahrnehmen.

Außerdem macht es Geld konkret. Statt einer abstrakten Zahl auf dem Kontoauszug seht ihr echte Entscheidungen. "Gebe ich diese 12 Euro für das Mittagessen aus oder nehme ich mir was mit?"

Das Ergebnis: Ihr trefft bewusstere Entscheidungen, ohne euch eingeschränkt zu fühlen.

Mein Tipp für den Start

Fangt heute an. Nicht morgen, nicht nächste Woche. Heute. Nehmt einen Zettel und schreibt alle heutigen Ausgaben auf. Morgen macht ihr weiter.

Nach vier Wochen schreibt ihr mir, wie es gelaufen ist. Ich bin ziemlich sicher, dass ihr genauso überrascht sein werdet wie ich damals.

Ein Haushaltsbuch verändert nicht nur eure Finanzen. Es verändert euer Verhältnis zu Geld. Und das ist unbezahlbar.

Ich hoffe es hilft euch, die Finanzen noch besser in den Griff zu bekommen.

bis bald,

Flo

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