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Hi Leute, ich muss ehrlich zu euch sein - früher dachte ich, Rente sei was für alte Leute. (Spoiler: Das war ziemlich dumm von mir.)
Ich bin jetzt in meinen Dreißigern und hab endlich gecheckt, warum die meisten Menschen ihre Rente völlig falsch planen. Falls ihr auch in den Zwanzigern oder Dreißigern seid (oder vielleicht sogar Kinder habt, mit denen ihr das teilen könnt), dann solltet ihr unbedingt weiterlesen.
Es gibt eine faszinierende Studie dazu: Wenn wir an die Person denken, die wir in 30 Jahren sind - also wenn du heute 37 bist und für dein 67-jähriges Ich sparen sollst - dann ist es so, als würdest du für einen Fremden sparen. Für jemanden, den du gar nicht kennst.
Wenn ich eine Straßenumfrage machen würde und fragen würde "Wer würde für eine fremde Person sparen, die ihr gar nicht kennt?", würden die meisten sagen: "Ne, würd ich nicht tun."
Genau deswegen wollte ich auch nicht für die Rente sparen. Aber gerade diese Zwanziger und Dreißiger Jahre sind das goldene Jahrzehnt für den Vermögensaufbau. Wenn man so richtig im Saft steht und das erste Mal richtig Geld verdient.
Deswegen teile ich heute 12 wichtige Erkenntnisse mit euch, die ihr berücksichtigen solltet, wenn ihr für die Altersvorsorge sparen wollt.
1. Der Zinseszins-Effekt ist euer bester Freund
Stellt euch vor, ihr spart 200 bis 250 Euro im Monat ab dem 30. Lebensjahr. Bei 7 Prozent jährlicher Rendite habt ihr mit 65 knapp über 500.000 Euro zusammen - genauer gesagt 570.000 Euro.
Wartet ihr bis 40, sind es nur noch 260.000 Euro. Das ist weniger als die Hälfte!
Zeit ist buchstäblich Geld, einfach aufgrund des Zinseszins-Effekts. Egal wo du heute stehst, egal auch wenn du schon Anfang 40 bist - warte nicht zu lange. Jeder Tag kostet dich nachher mehr Geld, als du glaubst.
2. Fangt mit dem an, was ihr habt
Wie oft höre ich das: "Hey Flo, ich hab nur 50 Euro, du sagst jetzt 250 Euro." Fangt mit dem an, was ihr euch leisten könnt. Besser ist es, erstmal anzufangen, als die ganze Zeit zu sagen "Ich hab eh zu wenig Geld."
Das sind bei 50 Euro im Monat nur 600 Euro im Jahr. Okay, vielleicht werdet ihr damit eure Rentenlücke nicht schließen, aber es ist schon mal besser. Und ihr merkt: "Hey, ich kann 50 Euro sparen, vielleicht gehen dann irgendwann 55."
3. ETFs sind eure Geheimwaffe
ETFs sind quasi wie ein Buffet-Essen, wo ihr euch an ganz vielen Sachen bedienen könnt. Aber ihr braucht nicht viele ETFs. Mit ein, zwei oder drei ETFs könnt ihr so breit streuen, wie ihr das mit Einzelaktien niemals kaufen könntet.
Wenn ihr 100 Euro spart und 100 Aktien kaufen wollt, könntet ihr jede mit einem Euro kaufen. Wenn ihr aber in ETFs investiert, habt ihr mehrere tausend Titel dabei. Ihr investiert nur in einen einzigen ETF, euer Portfolio ist voll überschaubar und ihr habt dabei auch noch relativ geringe Kosten.
Mein Favorit: der breit gestreute Welt-ETF. Simpel, günstig, effektiv.
4. Vergesst Einzelaktien (zumindest am Anfang)
Ich weiß, Tesla, Apple-Aktien - das hört sich alles total spannend an. Aber wisst ihr, was noch viel spannender ist als irgendwelche heißen Aktien-Tipps? Nicht pleite zu gehen, weil du alles auf eine Karte gesetzt hast.
Einzelaktien sind nicht zu 100 Prozent mit dem Casino vergleichbar, aber ähnlich. Nur dass ihr das nicht mit Spielgeld macht, sondern mit eurem richtigen Geld.
Das war übrigens bei der Dotcom-Blase um die 2000er Jahre genauso. Es gab so viele Internetunternehmen, und dann sind Leute einfach hergegangen und haben gesagt "Ja, ich kauf die jetzt" - und dann haben so viele Leute Geld verloren.
5. Automatisiert alles
Macht einen Dauerauftrag wie eure Miete. Euer Gehalt geht aufs Girokonto, dann macht ihr ein weiteres Konto für eure Fixkosten, da geht der monatliche Betrag runter, und dann macht ihr einen fixen Dauerauftrag auf euren Sparplan.
Da kauft ihr jeden Monat automatisiert eure ETFs. Wenn ihr das nicht macht, dann vergesst ihr das ganze mal. Diesen Ausgabenblock müsst ihr sehen wie eure Miete - das ist Pflicht. Das ist auch nicht "Ah, diesen Monat mach ich mal, nächsten Monat mach ich nicht."
6. Nutzt eure Arbeitgeber aus
Ich weiß, dass einige Leute sagen "Hey, sowas wie betriebliche Altersvorsorge ist kompletter Mist." Aber wenn ihr nur 50 Euro sparen könnt und ihr habt einen geilen Arbeitgeber, wo ihr die Gesellschaft für eine betriebliche Altersvorsorge selbst auswählen könnt, dann ist das nicht pauschal ein scheiß Produkt.
Fragt euren Arbeitgeber: "Kann ich eine BAV machen?" In der Regel muss er das anbieten und euch auch einen Zuschuss zahlen. Fragt auch, ob ihr euch ein eigenes Produkt auswählen könnt.
Wenn ihr das könnt, geht zu einem unabhängigen Makler, der wirklich sagen kann: "Ich kann euch das beste Produkt raussuchen, was zu euren Bedürfnissen passt."
7. Nehmt Steuervorteile mit
Es gibt Sachen wie Rürup, Basisrenten, betriebliche Altersvorsorge - die geben auch Steuervorteile. Es geht nicht darum, dass eine Vorsorgeart immer die beste oder immer die schlechteste ist.
Wenn du zum Beispiel so ein Typ bist wie ich und sagst "Ich hab gar keinen Bock, das alles selber zu machen" und "Wenn ich da erstmal 30.000 Euro aufm Konto liegen hab, dann geh ich dabei, dann fahr ich davon in Urlaub, dann kauf ich mir ein Auto" - dann ist ein ETF-Depot vielleicht nicht deine beste Altersvorsorge.
Da müsst ihr ehrlich zu euch selbst sein. Ihr könnt das deutsche Steuersystem ein bisschen für euch nutzen - es gibt tatsächlich Geschenke.
8. Die Inflation ist dein stiller Feind
Vielleicht denkt sich jemand "Okay, 2 Prozent Tagesgeld, das passt schon so." Aber wenn die Inflation bei 3 Prozent ist, verliert ihr jeden Monat Geld. Die Inflation war ja zeitweise bei 6-7 Prozent.
Euer Geld wird einfach weniger wert, nicht mehr. Ihr braucht Anlagen, die die Inflation schlagen. Punkt. So einfach ist es.
9. Streuung ist King
Legt nicht alle Eier in einen Korb. Das gilt für Anlageklassen - ob man jetzt in ETFs geht, vielleicht noch in Immobilien. Legt nicht alles geografisch an einen Ort.
Deswegen gibt's ja diesen FTSE All World, der wirklich die ganze Welt abdeckt - Schwellenländer, Indien, Asien. Breit streuen reduziert nachher einfach euer Risiko erheblich.
10. Lasst eure Emotionen raus
Auch wenn die Märkte schwanken - das ist völlig normal. Es ist normal, dass das Geld mal weniger wird, dass das Depot mal 20 Prozent im Minus ist. Verkauft nicht in Panik.
Ich hab das 2008 mitbekommen, ich hab das extrem während Corona gemerkt, wo viele Leute gesagt haben "Boah, muss ich jetzt verkaufen? Was, wenn die ganze Welt untergeht?"
Die Welt steht immer noch. Wer durchgehalten hat, wurde nachher unterm Strich belohnt.
11. Überprüft regelmäßig eure Investments (aber nicht täglich)
Einmal im halben Jahr, vielleicht auch einmal im Jahr reicht. Schaut, ob eure Strategie noch passt, ob ihr vielleicht mehr sparen könnt, ob die Gewichtung stimmt.
Aber täglich reinzuschauen kann euch nur verrückt machen. Es gibt Studien, dass wir zehnmal was Positives erleben müssen, um eine Negativität wieder wegzukriegen. Negative Sachen wiegen sich zehnmal stärker auf unsere Psyche aus als positive.
12. Wissen ist Macht
Lest Bücher, wenn euch das Thema interessiert. Hört Podcasts. Bildet euch weiter - nicht nur übers Investieren, sondern auch über Geldgewohnheiten.
Wie gehst du mit deinem Geld besser um? Wie kannst du bessere Geldgewohnheiten aufbauen? Wenn es eine Gewohnheit ist, fällt es dir nicht mehr schwer.
Ich hab das so drin, dass ich einmal am Tag Sport mache, genauso wie ich dreimal am Tag meine Zähne putze. Stellt euch vor, ihr wollt drei Tage nicht eure Zähne putzen - das wäre wahrscheinlich eklig. Genauso fühle ich mich, wenn ich nicht zum Sport gehe. Genauso fühle ich mich, wenn ich nicht investiere.
Mein Weg war immer: einfaches Wissen, die Sachen relativ schnell und simpel anwenden. Das Pareto-Prinzip - mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent der Ergebnisse.
Anstatt mich in alle Sachen reinzufuchsen und zu schauen, wo ich noch ein Prozent mehr rausholen kann, verwende ich lieber meine Zeit damit, mich selbst weiterzubilden und mehr Geld zu verdienen. Dann kann ich auch wieder mehr sparen und hab auch eine höhere Rendite.
Je mehr Wissen ihr habt, je mehr ihr versteht, desto bessere Entscheidungen trefft ihr - rationale Entscheidungen, keine emotionalen.
Ich hoffe, dass euch diese 12 Punkte helfen, eure Altersvorsorge und eure ganzen Investments besser auszurichten.
bis bald,
Flo
