Ich bin Jahrgang 1991. Wenn die Rentenkommission ihren Willen bekommt, darf ich bis 70 arbeiten. Bis siebzig. Mal ehrlich: Ich hatte mit 20 schon keine Lust mehr bis 67 zu arbeiten. Und jetzt reden die über 70.
Letzte Woche wurde bekannt, dass die Rentenkommission der Bundesregierung am 23. Februar 2026 tatsächlich über eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre berät. Das ist keine Spinnerei von irgendwelchen Stammtisch-Experten. Das steht auf der offiziellen Tagesordnung.
Lass mich dir kurz die Zahlen zeigen, damit du weißt, was auf dich zukommt.
Wer wäre als Erstes dran?
Wenn die Politik das Renteneintrittsalter wie bisher um zwei Monate pro Jahr anhebt, wäre der Jahrgang 1982 der erste, der 2052 regulär mit 70 in Rente geht.
Jahrgang 1985? Rente mit 70 im Jahr 2055.
Jahrgang 1990? 2060.
Falls du zwischen 30 und 40 bist, betrifft dich das direkt.
Und was ist mit früher aufhören?
Klar, du könntest auch vor 70 aufhören. Aber das wird richtig teuer.
Schon heute gilt: Für jeden Monat, den du vor dem regulären Rentenalter in Rente gehst, wird deine Rente um 0,3 Prozent gekürzt. Dauerhaft. Für den Rest deines Lebens.
Mal konkret:
1 Jahr früher aufhören = 3,6 Prozent weniger Rente.
2 Jahre früher = 7,2 Prozent weniger.
3 Jahre früher = 10,8 Prozent weniger.
Bei einer Rente von 1.800 Euro (was für viele schon optimistisch gerechnet ist) bedeuten 3 Jahre Frühstart: über 190 Euro weniger. Jeden Monat. Bis du stirbst.
Und die Rentenkommission diskutiert tatsächlich darüber, diese Abschläge noch weiter zu erhöhen. Du zahlst also in Zukunft möglicherweise noch mehr dafür, früher aufzuhören.
Warum mich das wütend macht
2024 lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,7 Jahren. Die meisten Menschen schaffen es schon heute körperlich oder mental kaum bis 67. Und jetzt sollen wir bis 70 durchhalten?
Ich finde es ehrlich gesagt respektlos, so zu tun, als hätten Leute einfach keinen Bock. Die meisten sind mit 65 am Ende. Und die Politik antwortet mit: Na dann arbeite halt noch fünf Jahre.
Das System funktioniert so lange, wie genug junge Leute einzahlen. Tun sie aber nicht mehr. Weniger Beitragszahler, mehr Rentner. Die Rechnung geht vorne und hinten nicht auf.
Was du tun kannst
Ich sage dir ganz offen: Auf die gesetzliche Rente allein zu warten ist ein Risiko, das ich persönlich nicht eingehen würde.
Du musst dafür sorgen, dass dein Geld für dich arbeitet. Privat. Eigenständig. Jetzt.
Ob das ein ETF-Sparplan ist, eine private Rentenversicherung oder eine Kombination aus beidem: Das hängt von deiner Situation ab. Ich kann und darf dir hier keine konkrete Anlageberatung geben.
Aber ich kann dir sagen: Jedes Jahr, das du wartest, macht es schwieriger. Und jedes Jahr, das du früher anfängst, gibt dir mehr Freiheit.
Wer mit 35 anfängt, hat eine völlig andere Ausgangslage als jemand, der mit 50 aufwacht und merkt, dass die Rente vorne und hinten nicht reicht.
Ich habe in 12 Jahren über 2.000 Menschen bei ihrer Altersvorsorge beraten. Der häufigste Satz, den ich höre: "Hätte ich mal früher angefangen." Sei nicht diese Person.
Sei schlau und verlass dich nicht auf den Staat.
Bis bald,
Flo
