Hallo,
ich bekomme diese Frage ziemlich oft: Die Eltern bekommen ihre Lebensversicherung ausgezahlt, gehen bald in Rente - was soll man jetzt mit dem ganzen Geld machen? Tagesgeld? Anlegen? Oder doch zur Bank rennen?
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Das Thema ist aktuell bei vielen Menschen relevant, weil gerade viele in Rente gehen. Vielleicht kennst du das auch aus deinem Umfeld (oder es betrifft dich sogar direkt).
Klar, man kann über diese alten Lebensversicherungen schimpfen. Hätte man das Geld damals anders angelegt, wäre wahrscheinlich mehr dabei rausgekommen. Aber gut - das ist jetzt nicht mehr zu ändern. Du hast heute eine größere Summe Geld und nicht mehr so viel Zeit bis zur Rente. Was machst du damit?
Ich erkläre dir heute drei Wege, die du gehen kannst. Als Beispiel nehme ich 100.000 Euro (du kannst das natürlich auf deine Summe umrechnen).
Option 1: Das Tagesgeldkonto
Das Einfachste ist, das Geld aufs Tagesgeldkonto zu packen. Da gibt's aktuell zwischen 2 und 3 Prozent Zinsen.
Wichtig: Viele Banken haben Begrenzungen. Manche nur bis 50.000 Euro, andere bis 100.000 oder 250.000 Euro. Du musst also eventuell mehrere Konten eröffnen.
Bei 100.000 Euro und 2 Prozent Zinsen bekommst du 2.000 Euro pro Jahr. Das Geld wird nominal nie weniger - es kann höchstens mehr werden.
Aber (und das ist ein großes Aber): Die Inflation frisst dich auf. Bei 4 Prozent Inflation verlierst du real etwa 2 Prozent pro Jahr. Du hast zwar 102.000 Euro aufm Konto, kannst dir davon aber nur noch Sachen im Wert von 98.000 Euro kaufen.
Wenn du das Geld für die Rente nutzen willst: 100.000 Euro auf 20 Jahre verteilt sind 5.000 Euro pro Jahr oder etwa 417 Euro im Monat.
Vorteile:
Maximale Sicherheit
Du kommst jederzeit an dein Geld ran
Sehr gut kalkulierbar
Nachteile:
Inflationsverlust garantiert
Nach 20 Jahren ist das Geld weg
Option 2: Die ewige Rente (mit Risiko)
Hier wird's interessanter. Wir haben mal ein Experiment gemacht: Eine Person investiert 2008 (also zum Höhepunkt der Finanzkrise) 100.000 Euro in einen Dividendenfonds. Schlechtes Timing, oder?
Diese Person nimmt sich jeden Monat 500 Euro raus - egal ob die Kurse steigen oder fallen. Nach 12 Jahren (bis 2020) waren immer noch 100.000 Euro im Depot. Gleichzeitig hatte sie über 70.000 Euro rausgenommen.
Das ist der Clou der "ewigen Rente": Wenn du 100.000 Euro investierst und monatlich 500 Euro rausnimmst, kann das theoretisch ewig laufen.
Wichtig: Das funktioniert nur, wenn du Nerven aus Stahl hast. Wenn die Kurse fallen, darfst du nicht in Panik geraten und weniger rausnehmen. Du musst an das System glauben.
Vorteile:
Kann theoretisch ewig laufen
Höhere monatliche Auszahlung möglich
Geld bleibt für Erben erhalten
Nachteile:
Kursschwankungen
Kann auch schiefgehen
Erfordert starke Nerven
Option 3: Die Sofortrente bei einer Versicherung
Du gibst einer Versicherung deine 100.000 Euro und die garantiert dir eine lebenslange Rente. Sagen wir mal 300 Euro im Monat (die genauen Zahlen variieren je nach Anbieter und Alter).
Die Versicherung macht nichts anderes als das, was du auch machen könntest: Sie investiert dein Geld und zahlt dir einen Teil davon aus. Nur behält sie einen ordentlichen Anteil für sich.
Wichtig: Achte auf eine Rentengarantiezeit oder Beitragsrückgewähr. Sonst kann es passieren, dass du nach drei Jahren stirbst und die Versicherung sich ins Fäustchen lacht.
Vorteile:
Garantierte lebenslange Zahlung
Kein Risiko für dich
Planungssicherheit
Nachteile:
Niedrigere Rendite
Komplexe Verträge
Geld ist weg (außer bei Garantiezeiten)
Zum Thema Versicherungen kannst du dich hier beraten lassen.
Mein Fazit
Wenn du maximale Sicherheit willst: Tagesgeld.
Wenn du bereit bist, ein kalkuliertes Risiko einzugehen: Ewige Rente.
Wenn du Planungssicherheit ohne Aufwand willst: Versicherung.
Du kannst auch mischen - zum Beispiel 50.000 Euro aufs Tagesgeld und 50.000 Euro investieren.
Das Wichtigste: Lass dich unabhängig beraten und triff keine übereilten Entscheidungen. Das Geld läuft dir nicht weg.
Ich hoffe, das hat dir geholfen. Falls du spezielle Fragen hast - mein Team berät auch zu diesen Themen.
Bis zum nächsten Mal,
Florian
