Hey, ich bin's wieder - die Krankheiten im Urlaub und danach haben mich etwas ausgenockt - ich hoffe ihr kommt gesund durch den Winter! :)

Vorab: diese Folge könnt ihr hier auch als PODCAST hören

So - Neulich hat mich jemand gefragt: "Flo, was soll ich eigentlich am besten für meine Altersvorsorge machen?" - und ehrlich gesagt, diese Frage bekomme ich so oft, dass ich dachte, ich erkläre das mal für alle.

Bevor ich richtig loslege: Danke für das ganze Feedback zur letzten längeren Podcast-Folge. Schreibt mir gerne, welche Themen ihr euch wünscht - besonders für die längeren Folgen, die man gut auf der Autofahrt hören kann.

Warum ich dieses Thema schon wieder aufgreife

Wir haben mittlerweile über 110 Podcast-Folgen (krass, oder?), und ich hab auch schon mal über "Altersvorsorge leicht erklärt" gesprochen. Aber weißt du was? Ich mache immer noch einen Tag pro Woche Beratungen - der Rest läuft über mein Team - und mir ist total wichtig, den Kontakt zu euch nicht zu verlieren.

Neulich hab ich auf Instagram eine Umfrage gemacht: "Wer weiß eigentlich, was aus seiner gesetzlichen Rente rauskommt?" Fast 60 Prozent haben gesagt, sie haben keine Ahnung. Das zeigt mir, dass wir da noch Aufklärungsbedarf haben.

Das Problem mit der gesetzlichen Rente (spoiler: ist schon seit 30 Jahren bekannt)

Wir haben seit über 30 Jahren bewusst ein Problem mit der gesetzlichen Rentenversicherung. "Hä, wieso schon so lange?" denkst du dir vielleicht.

Na ja, es war damals schon bekannt, dass das zu einem Problem führen wird. Das spitzt sich jetzt bis 2035, Ende 2040 zu und kommt dann zu einem Art Höhepunkt.

Woran liegt das? Es gab die geburtenstarken Jahrgänge - meine Eltern gehören dazu. Das sind die Leute, die alle in den sechziger Jahren geboren wurden, bevor in Deutschland ein sehr spannendes Medikament auf den Markt kam: die Pille.

Es gibt den sogenannten "Pillenknick" - das sieht man in der Geburtsentwicklung. Die Leute konnten plötzlich mehr Spaß haben ohne "Nebenwirkungen" (also ohne Nachwuchs zu erwarten). Das war sicherlich cool für die Gesellschaft damals, hat aber für einen sehr deutlichen Einbruch bei den Geburtenraten gesorgt.

Das hat sich nicht nur 1-2 Jahre angehalten, sondern mehrere Jahre. Wir haben quasi so einen Block in der Bevölkerungspyramide, der sich jetzt nach oben geschoben hat - die gehen alle gerade in Rente oder sind schon in Rente.

Das Problem: Die geburtenstarken Jahre sind nie wirklich wiedergekommen. Klar, zu Corona-Zeiten wurden viele Kinder geboren, aber es ist nie wieder auf das Niveau der sechziger Jahre gekommen. Das hatte wahrscheinlich auch wirtschaftliche Gründe - es waren 15-20 Jahre nach dem Krieg, die Leute hatten gute Laune, die Wirtschaft wuchs, viele hatten Arbeit. Es war so ein Aufschwung da, und Familienplanung stand sehr im Vordergrund.

Warum das zum Problem wird

Das Rentensystem in Deutschland beruht auf einem Umlageverfahren. Das bedeutet einfach: Die jungen Leute zahlen für die alten.

Übrigens wurde das ganze System damals entwickelt, als man eine Lebenserwartung von 48 Jahren hatte. Das hing extrem mit den Weltkriegen zusammen, aber niemand ging davon aus, dass wirklich jemand 67 wird - und schon gar nicht 77, 87 oder teilweise über 90, wie das heutzutage häufiger vorkommt.

Wir haben also zwei Probleme:

  1. Weniger junge Leute kommen nach, die in das System einzahlen

  2. Die Leute, die da sind (das hört sich vielleicht etwas böse an), ziehen länger Geld aus diesem System, weil sie einfach länger leben

Nicht falsch verstehen - das ist natürlich super für alle Menschen, die länger auf dieser Welt sein dürfen. Aber wenn man das rein technisch für das Altersvorsorgesystem betrachtet, ist das einfach eine sehr schwierige Thematik.

Es ist logisch: Wenn man mehr Geld irgendwo rausnimmt als man einzahlt, funktioniert das nicht langfristig.

Der Staat bezuschusst das aus Steuermitteln. Er hat zwischendurch auch mal selber Geld aus der Rentenversicherung genommen - darüber spricht kaum einer, aber es ist tatsächlich mehrmals passiert und war nicht wenig Geld.

Warum der Staat trotzdem nichts ändert

Für mich ist es sehr unverständlich, warum man nicht schon vor 30 Jahren gesagt hat: "Hey, wir ändern das System." Weg vom umlagefinanzierten System hin zu: Wir bauen ein Vermögen auf.

Herr Lindner wollte ja die Aktienrente - die ist nicht gekommen, weil "zu risikoreich, bla bla bla". Das waren mit 10 Milliarden halt sowieso viel zu wenig, aber es wäre erstmal ein Anfang gewesen.

Überlegt mal: Wenn man jetzt 100 Milliarden oder auch 10 Milliarden in so einen Topf reinpackt und das ein Jahr lang in ETFs investiert hätte und wir 10 Prozent gemacht hätten, dann reden wir über eine Milliarde mehr Vermögen. Und das potenziert sich, weil auch hier der Zinseszinseffekt wirkt.

Wenn irgendwann mal eine Lösung dran kommen soll, brauchen wir sowas wie in Schweden oder Norwegen - diesen Staatsfonds. Sowas gibt's bei uns nicht.

Also: Verlasst euch nicht auf den Staat. Bis da was geändert wird... ob da was geändert wird... ich hab keine Glaskugel, ich glaub nicht dran.

Das Drei-Schichten-Modell der Altersvorsorge

Jetzt ist es aber so, dass der Staat (der schon länger weiß, dass wir ein Problem haben) die Altersvorsorge fördert. Die Förderung ist auf einem Drei-Schichten-Modell aufgebaut:

1. Schicht: Basisvorsorge

Das ist die gesetzliche Rentenversicherung und die Basis- oder Rürup-Rente.

Übrigens, wenn ihr mal über Instagram Werbeanzeigen seht wie "Setz deinen ETF von der Steuer ab", ist meistens ein Produkt aus dieser Schicht gemeint. Das sind nicht bestimmte ETFs, die vom Staat gefördert werden.

Ich hab neulich mit einem Kunden telefoniert (betreue ihn schon seit über 10 Jahren), und der meinte: "Die haben mir gesagt, es gibt bestimmte ETFs, und wenn ich die kaufe, kann ich die von der Steuer absetzen."

Stopp! Das hat nichts mit den ETFs zu tun, sondern mit der Vorsorgeart. Das ist ein Produkt aus der ersten Schicht, der Basisvorsorge.

Vorteil: Ihr könnt das ganze komplett von der Steuer abziehen. Wenn ihr da 100 Euro einzahlt, könnt ihr (bei hohem Einkommen) 100 Euro quasi "sparen".

Nachteil: Das Geld wird erst ausgezahlt, wenn ihr in Rente geht, und dann auch nur verrentet. Ihr könnt das Kapital nicht einmalig rausnehmen.

2. Schicht: Geförderte Altersvorsorge

Das sind Riester und betriebliche Altersvorsorge.

Produkte aus der 2. Schicht haben in der Regel eine Garantie. Das bedeutet: Ihr habt zum Beispiel bei Riester keine Chance, Geld zu verlieren. Zum Ende der Laufzeit muss das Geld da sein, was ihr eingezahlt habt (nach Kosten). Das hat der Gesetzgeber so vorgegeben.

Ihr könnt eine Riester-Rente von der Steuer absetzen, bekommt Zulagen. Bei betrieblicher Altersvorsorge könnt ihr Zuschüsse vom Arbeitgeber bekommen, zahlt aus dem Brutto (weniger Steuern und Sozialabgaben).

3. Schicht: Private Vorsorge

Da werden häufig private ETF-Rentenversicherungen gemacht. Hier habt ihr keine Vorteile in der Ansparphase, sondern nachher Vorteile in der Auszahlungsphase (geringere Steuerlast).

Warum "Lohnt sich Riester?" die falsche Frage ist

Ich kann Fragen wie "Lohnt sich Riester eigentlich?" nicht pauschal beantworten. Es ist relativ einfach:

Stellt euch vor:

  • 1. Schicht = SUV (großer Geländewagen)

  • 2. Schicht = Familienkutsche

  • 3. Schicht = Sportwagen

Jeder hat gerade ein Bild vor Augen, oder?

Jetzt kommt's darauf an: Was habt ihr für einen Wagen, und was ebenso wichtig ist - habt ihr den richtigen Motor drin?

Ich mache immer einen Witz mit meinem Ford Fiesta, den ich die ersten 10 Jahre nach meinem 18. Geburtstag gefahren hab. Der hatte 90-93 PS (die Zahl hab ich nicht mehr ganz genau im Kopf).

Wenn ich euch jetzt einen Porsche schenke (egal ob SUV, Familienkutsche oder Sportwagen) und da aber einen falschen Motor einbaue und gleichzeitig noch ein Loch in den Tank mache (das heißt hohe Kosten in den Verträgen), dann sieht das zwar von außen erstmal schön aus - ihr denkt "Geiler Porsche!" - aber wenn ihr damit auf die Autobahn fahrt, fährt es nicht schnell genug und verliert auch noch viel Sprit.

Das ist gleichbedeutend: Wenn ihr einen Riester-Vertrag habt, eine betriebliche Altersvorsorge oder private Vorsorge, wo ihr den Motor nicht vernünftig auswählen könnt oder euer Vertrag hohe Kosten hat, führt das dazu, dass die Verträge nicht optimal sind.

Es kommt auf eure Situation an

Selbst wenn ich jetzt eine Riester-Rente mit geileм Motor und ohne Loch im Tank finde - lohnt sich das dann?

Das kommt auf eure Situation an. Es kann sein, dass ich mit einer 25-jährigen Person spreche, die sagt: "Ich will keine Kinder, ist nicht meine Lebensplanung. Ich will reisen und flexibel bleiben."

Dann macht eine Riester-Rente (besonders bei hohem Einkommen) vielleicht wenig Sinn.

Wenn sie aber drei Jahre später Kinder hat (vielleicht Drillinge), nur noch Teilzeit arbeitet und 15.000 Euro im Jahr verdient, kann sich das unter Umständen lohnen, weil man eine hohe Förderquote erreicht.

Einfaches Beispiel: Ich hab Kunden, die zahlen 5 Euro pro Monat in so einen Vertrag (mit gutem Motor). Die kriegen aber, weil sie 3 Kinder haben, pro Kind 25 Euro pro Monat (75 Euro) und noch mal knapp 15 Euro für sich selbst - sind 90 Euro.

Sie geben jeden Monat 5 Euro aus und kriegen 90 zurück. Das ist eine enorm große Förderquote.

Eure Situation ändert sich

Mit Kindern kann ich im SUV fahren, in der Familienkutsche oder auch im Sportwagen. Krieg ich Kinder, kann ich schlecht mit dem Sportwagen die ganze Familie transportieren.

Was ich damit sagen will: Eure Situation kann sich ändern. Die Gegebenheiten können sich ändern, euer Verdienst kann sich ändern, euer Einkommen kann sich ändern.

Deswegen heißt es nicht immer pauschal, wenn man rückblickend sagt: "Ich hab damals einen Riester gemacht, der Berater war blöd." Sondern: "Ich hatte damals so eine Situation, und vielleicht muss man die einfach neu bewerten."

Spoiler: Ich berate Leute seit dem 1.11.2012 (hab damals mein Gewerbe angemeldet), und ja - es ändert sich was bei Leuten. Die Leute kriegen unerwartet Kinder, die Leute kriegen keine Kinder, die Leute gehen ins Ausland, die Leute ändern ihre Risikopräferenz.

Ich hab mit Leuten gesprochen, denen war damals viel Sicherheit wichtig. Die haben gesagt: "Ich will nicht so viele Steuern zahlen" (ETFs waren noch nicht so verbreitet). Dann war vielleicht eine Vorsorge wichtig, die sich mittlerweile geändert hat, weil sich die Person geändert hat und sagt: "Man kann ja doch ein paar mehr Risiken eingehen, so schlimm ist es nicht, wenn man mal zwischenzeitlich im Minus ist."

Was ihr mitnehmen solltet

Lange Rede, kurzer Sinn:

  1. Ihr braucht den richtigen Motor - ansonsten ist die Form völlig egal. Wenn der Motor Kacke ist, ist es schön, dass es Förderung gibt, aber wenn das hinten keine Rendite macht, könnt ihr es in die Tonne hauen. Genauso, wenn die Kosten zu hoch sind.

  2. Betrachtet eure aktuelle Situation und sagt: "Das lohnt sich gerade oder lohnt sich nicht." Und das ändert sich.

Deswegen ist es wichtig, einen Ansprechpartner zu haben, dem ihr vertraut - nicht durch irgendwelche Leute, die sagen: "Ihr könnt euren ETF von der Steuer absetzen, wenn ihr genau diesen ETF nehmt." Das ist Unsinn.

Es gibt auch Vorsorgemöglichkeiten wie Immobilien als Kapitalanlage, aber das macht erst ab einem gewissen Einkommen Sinn (man sagt ab 2.800 Euro netto).

Es gibt nicht die eierlegende Wollmilchsau

Jede Vorsorgeart (auch ein privates ETF-Depot) hat Vorteile. Genauso haben auch Immobilien Vorteile. Nachher geht's darum, dass jemand, der sich sehr gut damit auskennt (oder wenn ihr in allen Themen drin seid), die beste Vorsorge findet, die zu euch passt.

Nicht die, wo der Berater sagt: "Die müssen wir jetzt machen, weil da verdiene ich am meisten mit."

Auch hier können sich Pläne ändern. Deswegen nicht immer rückblickend schauen und sagen: "Hätte ich mal besser das gemacht." Es gibt diesen sogenannten Rückschaufehler.

Wenn ich den bei Finanzberatung betrachte: Hätte ich allen meinen Kunden vor 10 Jahren gesagt "Kauft Bitcoin", wären die heute wahrscheinlich Millionäre (und ich würde vielleicht was als Dankeschön abbekommen - eher weniger).

Aber ich hab auch keine Glaskugel. Rückblickend ist es immer leicht, was besser zu machen. Es geht darum, dass ihr euch vernünftig für die Zukunft aufstellt.

Danke fürs Lesen, ich hoffe, ihr konntet was mitnehmen. Bis zum nächsten Mal!

Flo

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